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 The accident.

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AutorNachricht
Shepherdess
aka. Amelia Shepherd :D
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Anmeldedatum : 21.07.15
Anzahl der Beiträge : 385

BeitragThema: The accident.    Mo Sep 21, 2015 1:46 am

> HOPE JOHNSON [29]
Ich war noch nie ein großer Fan vom Autofahren. Natürlich, es ist praktisch und schnell, aber ich mochte es noch nie wirklich und wenn ich ehrlich bin, ich gehe lieber zu Fuß, als mit dem Auto zu fahren. Vielleicht liegt es auch daran, dass mein Vater in einem Autounfall gestorben war. Ich fühlte mich in einem Auto oft dem Tod näher, als im Leichenkeller. Wie auch immer, ich saß in dem Auto und hatte eine Hand auf meinem langsam rund werdenden Bauch gelegt. Ich hörte, wie meine beiden Kinder auf der Rückbank lachten.  Ich sah in den Rückspiegel und sah die beiden Kindern in ihren Kindersitzen, wie sie kicherten und lachten. Ich sah zu meinem Mann, der konzentriert auf die Straße sah. Es waren noch etwa zwei Stunden, bis wir zu Hause ankamen. Ich sah auf die Uhr, die an meinem linken Handgelenk war. 9 Uhr abends. Ich wunderte mich, dass unsere Kinder noch so wach waren. Ryan, mein mit seinen 4 Jahren ältester Sohn spielte mit seinem Modellflugzeug und meine kleine zweijährige Tochter Kyra beobachtete ihn kichernd.  Ich lächelte. Der elfjährige Sohn meines Mannes, den ich adoptiert hatte wollte anstatt bei dem Familienausflug dabei zu sein bei einem Freund schlafen. Eine gute Entscheidung im Nachhinein.

Kyra war nun eingeschlafen, aber Ryan war noch immer hellwach. „Mama! Ich will öfter an den See!“, rief er. Ich lachte. Es war ein wunderschöner Tag am See gewesen. Vor einem Jahr haben Chris und ich an einem großen See in der Nähe von Seattle eine kleine Hütte gekauft, in die wir manchmal ein Wochenende mit der Familie verbrachten. Heute war es jedoch nur ein ganzer Tag gewesen. Morgens sind wir um 8 Uhr losgefahren, sodass wir um etwa 10 Uhr ankamen. „Ja, das machen wir auch. Und nächstes Mal kommt Aaron auch wieder mit.“ Ryan lachte laut. „Jaaa!! Und dann kommt auch das Baby mit! Oder?“ Ich lachte leise und berührte wieder mit beiden Händen meinen Bauch. „Vielleicht. Es dauert aber noch was, bis dein kleiner Bruder auf die Welt kommt. Noch etwa 4 Monate.“ Ryan sah mich nachdenklich an. „Also er ist ungefähr im Winter da.“, fügte ich schnell hinzu. Ryan nickte konzentriert. „Daddy?“ Chris sah in den Rückspiegel. „Was ist los, Großer?“, fragte er und lächelte unseren Sohn an. „Wie kommt das Baby eigentlich hier hin?“, fragte er und runzelte die kleine Stirn. Ich hustete leicht und sah belustigt zu Chris. Er sah mich ratlos an, ich lachte nur leise und klopfte ihm auf die Schulter. Ich schickte in dem Moment unzählige Dankesgebete an irgendeinen Gott. „Also.. Das Baby ist ja in Mommys Bauch und irgendwann…“ „Und wie kommt es dahin?“, unterbrach Ryan ihn. „Also, das ist so…“ Chris überlegte, wie er es unserem Sohn erklären sollte. Ich lehnte mich zurück und grinste Chris an. „Du weißt ja, das Mommy und ich und ganz dolle lie-“ Wieder wurde Chris unterbrochen, doch diesmal nicht von Ryan, oder irgendjemand anderem in diesem Auto, sondern von einem heftigen Stoß, der unser Auto in Richtung Graben schlittern ließ. Der Stoß kam von dem hinteren Teil des Autos. Ich hörte nur, wie Ryan laut schrie. Auch Kyras Schreien hörte ich. Panisch blickte ich zu ihnen, doch dann wurde alles schwarz.

Als ich wieder zu mir kam, schreckte ich hoch. Mir war schwindelig und mein Kopf tat weh, aber das war mir egal. Ich schnallte mich ab, was mir jedoch erst nach mehreren Versuchen gelang. Als ich es schaffte, öffnete ich hektisch die Türe und hetzte auf die hintere Tür des Wagens hin. Ryan und Kyra saßen bewegungslos auf ihren Kindersitzen. Kyra blutete am Kopf und ihr Arm war krankhaft verdreht. Ich kletterte zitternd in den Wagen und holte Kyra aus ihrem Sitz und setzte sie neben das Auto. Das Selbe tat ich mit Ryan. Als die beiden nebeneinander saßen, prüfte ich mit zitternden Händen den Puls meiner mit Blut überströmten Kinder. Nichts. Kein Puls, kein Atem, kein Herzschlag. Ich gab einen klagenden Schrei, der halb ein Schluchzen war von mir und drückte meine toten Kinder an mich. Ich wusste nicht, dass jemand eine solche Leere empfinden kann. Plötzlich hörte ich, wie jemand meinen Namen rief. „Hope! Hope?! Ryan! Kyra!“ Chris. Ich sah auf und gab ein leises Geräusch von mir. „H-hier.“, sagte ich mit gepresster Stimme. Binnen weniger Sekunden, kniete Chris neben mir und versuchte vergebens unsere Kinder wieder zu beleben. Ich saß einfach da, hielt meinen runden Bauch fest und beobachtete aus leeren Augen, wie auch Chris irgendwann bemerkte, dass er unseren Kindern nicht mehr helfen konnte. Ich atmete zitternd ein und wusste, dass alle drei unserer Kinder tot waren.

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Ich fühlte mich leer. Einfach nur leer. Wir wurden innerhalb von einer Stunde aus dem Graben rausgeholt, unsere Kinder wurden in kleine Leichensäcke gepackt und lagen nun im Krankenhaus im Leichenkeller. Ich wollte mich noch von ihnen verabschieden, aber ich wusste nicht, wie ich dazu fähig sein könnte. Chris und ich wurden in ein Zimmer im Krankenhaus gebracht. Chris hatte ein paar Knochenbrüche, ich hingegen hatte innere Verletzungen, die der Grund für den Tod unseres Ungeborenen waren. Ich sah mich in dem Zimmer um. Amelia saß neben meinem Bett auf einem Stuhl und hielt meine Hand. Owen stand hinter ihr, seine Hände auf ihren Schultern. Chloe stand zwischen meinem und Chris‘ Bett, mit Riley auf dem Arm. Auf Chris‘ Bett saß Aaron, der mit Chris redete. Ich blinzelte langsam und setzte mich auf. „Ich will Ryan und Kyra sehen.“, sagte ich bestimmend. „Hope. Du wurdest gerade operiert. Du kannst sie morgen sehen.“, sagte Amelia leise. „Ist ja nicht so, als würden sie abhauen.“, sagte ich trocken und lachte leise. Es war nicht lustig. Es war kein bisschen lustig. Alle sahen mich an, jeder sah mich auf dieselbe Art an. Eine Mischung aus Schock und Unverständnis. Ich legte mich wieder in das Bett und schloss meine Augen. Ich fuhr mit den Händen über mein Gesicht und spürte ein Pflaster auf meiner Stirn. Amelia drückte meine Hand, doch ich zog sie weg und atmete zitternd ein.

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Es war nun drei Wochen her. Ich wusste nicht, wie ich diese drei Wochen überlebt hatte. Ich hatte für zwei Monate frei bekommen. Chris auch, doch er arbeitete wieder, mit Krücken. Ich hingegen tat nichts. Ich redete mit niemandem, ich aß kaum etwas und wenn ich schlief, schlief ich in einem anderen Raum, als Chris. Ich konnte seine Anwesenheit nicht ertragen. Ich fühlte mich einfach nur betäubt und leer und wie in einem Traum. Es war alles  so unreal. Auch mit Aaron hatte ich nicht geredet, mit Chris ebenfalls nicht. Mit niemandem. Ich sah auf mein Handy. 82 Anrufe in Abwesenheit. Ich hatte keinen der Anrufe beantwortet. Es waren Anrufe von Chloe, Owen, Amelia, Arizona, sogar April hatte mich angerufen, doch ich wollte mit niemandem reden. Wirklich mit niemandem. Ich setzte mich auf das Sofa und blickte auf meine Hände, die in meinem Schoß lagen. Ich hörte, wie die Türe aufging und Sekunden später wieder ins Schloss fiel. „Aaron, Hope! Ich bin zu Hause.“, hörte ich Chris‘ Stimme. „Ja, Dad!“, rief Aaron von oben. Chris kam wie jeden Tag auf mich zu und strich mir über die Haare. „Hey.“, flüsterte er. Jeden Tag versuchte er aufs Neue ein Gespräch mit mir anzufangen, er gab normalerweise nach den ersten paar Minuten auf, doch heute nicht. „Hope, ich kann das nicht mehr. Ich halte es nicht mehr aus, dass du nicht mit mir redest.“ Er hob mein Kinn an, damit ich ihn ansah, doch ich wehrte mich und schlug seine Hand weg. „In den ersten paar Tagen, dachte ich es wäre normal, dann dachte ich, es wäre noch immer normal, aber das was du machst… das ist krank, Hope. Es ist krank. Du musst mit mir reden. Reagier doch bitte einfach auf irgendwas. Hope, ich warte seit 3 Wochen auf nur irgendeine deiner Reaktionen.“ Er hob wieder mein Kinn an. „Lass mich!“, schrie ich und schlug wieder seine Hand weg. Diesmal fester. Das waren die ersten Worte, die ich seit 3 Wochen gesprochen hatte. Ich war selber überrascht, als ich wieder meine eigene Stimme hörte. Auch Chris schien überrascht zu sein. Er nahm meine Handgelenke in seine Hände. „Hey! Du redest gefälligst nicht so mit mir, ist das klar?!“ Ich sah ihn an. „Lass mich.“, wiederholte ich. Nun etwas leiser. „Nein, Hope. Nicht bevor du mir sagst, wie ich dir helfen kann.“ Ich wehrte mich nun gegen seinen Griff und versuchte mich aus seinem Griff zu befreien, doch ich schaffte es nicht. „Meine Kinder sind gestorben! Wie willst du mir da helfen?“ Chris ließ meine Hände los und beobachtete wie ich aufstand. Er stand ebenfalls auf. „Es waren auch meine Kinder, Hope! Es waren auch meine Kinder!“, schrie er laut. Ich zuckte zusammen und sah zu ihm hoch. Ich ballte meine Hände zu Fäusten. „Du hast Liam aber nicht verloren!“, schrie ich und schlug ihm auf die Brust. Liam – unser Ungeborener. Wir hatten uns sobald raus war, dass es ein Junge war für den Namen Liam entschieden. Chris nahm meine Handgelenke wieder in seine Hände und drückte mich an seinen Körper. Ich schrie schluchzend auf und krallte mich in seinem Rücken fest. Ich spürte, wie er mir über die Haare strich.

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Seit sieben Wochen waren unsere drei Kinder tot. Ich redete nun mehr, war bald wieder arbeitsfähig. Es schien, als hätte sich alles verbessert. Doch in meinem Inneren war alles wie vorher. Es herrschte nur Leere. Ich machte mich fertig, um schlafen zu gehen. Inzwischen schlief ich wieder mit Chris in einem Bett. Doch ich sträubte mich vor jeder seiner Berührungen, die etwas intimer sein könnten. Ich legte mich in das Bett und drehte mich von Chris‘ Seite weg, sodass ich auf meinen Nachttisch sah und die Digitaluhr beobachtete. Ich spürte wenige Sekunden später, wie eine Hand meine Taille berührte und zu meinem Bauch wanderte. „Chris. Jetzt nicht.“, sagte ich warnend und schob seine Hand weg. „Hope, ich darf dich nicht mehr anfassen, darf dich nicht mehr küssen. Wir hatten seit fast 2 Monaten keinen Sex mehr.“, sagte Chris mit gepresster Stimme. Ich drehte mich abrupt um und öffnete wütend meinen Mund, doch keine Worte kamen heraus. „Ich brauche das einfach jetzt, Hope.“ Ich setzte mich auf. „Unsere Kinder sind gestorben, Chris. Und du willst Sex?“ Ich blickte ihn kalt an. „Hope…“, sagte er leise. Ich sah ihn nur schweigend an und blinzelte. Er rieb sich über den Nacken. „Das weiß ich, ich will es nur für ein paar Momente vergessen.“ Ich starrte ihn an und kniff meine Augen zusammen. „Vergessen. Du willst sie vergessen.“, sagte ich verspottend. Ich blickte ihn an und begann mein Oberteil auszuziehen. „Okay, hier. Alles deins. Vergiss sie. Los.“, sagte ich während ich mich entkleidete und mich vor ihn setzte. Er schloss die Augen, stand auf uns verließ das Schlafzimmer.

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In den letzten vier Wochen haben Chris und ich uns nur noch angeschrien und gestritten. Seit drei Wochen arbeitete ich wieder und ich wusste nicht, ob es mir gut tat. Vor allem, da ich in der Pädiatrie arbeitete und dauernd mit Kindern zusammen war. Chloe tat alles, um mir es angenehmer zu machen, doch es wurde nicht angenehmer. Meiner Meinung nach war ich nicht fähig dazu, arbeiten zu können, doch der Psychologe sah es anders. Chris und ich wechselten uns ab, einer von uns beiden schlief immer im Krankenhaus, sodass wir uns nur so wenig wie nur möglich sahen. Ich liebte ihn zwar noch immer abgöttisch, aber ich konnte seine Anwesenheit nicht ertragen. Ich konnte nichts von alle dem ertragen. Ich wusste nicht, wie ich jemals wieder so arbeiten, oder leben konnte, wie vor dem Unfall. Ich saß an der Badezimmertüre gelehnt auf dem Boden und weinte. Heute war meine Nacht, zu Hause zu schlafen. Aaron war bei Freunden. Er war immer öfter bei einigen Freunden, weil er es zu Hause  nicht aushielt. Ich konnte ihn gut verstehen, aber ich wusste nicht, wie ich irgendetwas anders machen konnte. Also war ich heute alleine. Ich ging in Chris und mein Schlafzimmer und öffnete meine Tasche. Ich holte aus einer Seitentasche eine kleine Dose raus. Ich schraubte sie auf und schüttete mir ein paar Pillen in die Hand. Dann tat ich genau das, was ich jahrelang getan habe. Etwas, was schon über 10 Jahre her ist. Ich hatte mir versprochen, ich würde es nie wieder tun und doch tat ich es. Ich machte die Pillen flüssig, indem ich ein Feuerzeug unter den Löffel mit den Pillen hielt. Diese Flüssigkeit verfrachtete ich vorsichtig in eine Spitze. Ich wusste genau, wie viel Milliliter ich brauchte, um an einer Überdosis zu sterben. Zitternd holte ich aus meinem Nachttisch ein Blatt Papier und einen Stift.

Christian,
ich liebe dich und ich werde dich immer lieben. Du bist der Mensch auf dieser Welt, der mich besser kennt als jeder andere – der mich besser kennt, als ich mich kenne.
Ich möchte dich nicht verlassen, vor allem nicht so, aber… ich bin nicht stark genug, um weiter zu machen. Ich bin nicht so stark wie du.
Ich war noch nie so stark wie du und werde es auch niemals sein. Niemals.
Ich weiß, ich hatte versprochen, ich würde nie wieder Oxy nehmen, aber ich musste das Versprechen brechen.
Ich weiß, dass du mich jetzt hassen wirst, für das was ich dir antue, was ich Aaron antue.
Bitte sei nicht allzu böse auf mich, aber ich werde ab jetzt mit unseren Kindern auf dich und Aaron aufpassen.
Es tut mir Leid.
- Hope


Ich legte den Zettel auf meinen Nachttisch und tat instinktiv das, was ich jahrelang getan habe. Schnallte mir einen Gürtel um den Oberarm, setzte die Spritze an, drückte sie in meine Haut und drückte die Flüssigkeit in meinen Körper. Es war schwach von mir. Lächerlich schwach. Aber ich konnte nicht anders. Das erste Mal seit  über 10 Jahren spürte ich, wie all der Schmerz und all die Sorgen verschwanden. Ich sank in mein Kissen und schloss meine Augen. Man sagt, das Leben würde an einem vorbeiziehen, wenn man stirbt. Es stimmt.
Ich sah, wie mein Vater mit meiner Mutter und mir spazieren ging, wie die Sozialarbeiter mich in unserem verlassenen Haus fanden. Ich sah verschwommene Bilder von Mr. Und Mrs. Miller, ich sah auch Nolan und meine anderen Freunde. Irgendwann begann ich, Stimmen zu hören. Da war Owens Stimme, Chloes und Amelias. Ich sah sie auch. Bilder von den Menschen, die ich am meisten liebte. Auch Chris und unsere Kinder sah ich, selbst Aaron, den ich liebte wie einen Sohn. Doch dann wurde alles schwarz und ich spürte förmlich wie mein Herz das letzte Mal schlug und meine Seele die Erde verließ.

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